Aussichtslos von Wohnungslos

Eine persönliche Nahaufnahme aus dem Wiener Wohnungsdschungel – mit Hund, Hoffnung und hohem Blutdruck. 

Die Wohnungssuche in Wien ist wie ein Escape Room, nur dass man nicht raus-, sondern reinkommen will.


Ein kurzes Highlight aus den best of three:


„Schuhschachtel mit Goldkante“

Mitten im 15. Bezirk, dort wo sich Rotlichtromantik und ambitionierte Gentrifizierung ein zärtliches „Grüß Gott“ zurufen, hat man uns ein Juwel präsentiert: 52 Quadratmeter frischer Beton, zwei Zimmer, ein Balkon mit Aussicht auf eine Baustelle und den Duft von Dönerfett und Angst. „Ganz neu“, sagte der Makler mit einem Lächeln, das in der Nähe von Thermoverglasung konserviert wurde. Der Schnitt der Wohnung? Eine Schuhschachtel mit Orientierungssinn. So verwinkelt, dass selbst unser Hund nach drei Runden drin verloren gegangen ist.


Der Preis? Nur 1.200 Euro kalt. Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass man dafür im Burgenland vermutlich ein Schloss bekommt – mit Turmzimmer. Aber ja, die Lage. Die Lage ist wichtig. Die Lage macht’s. Die Lage liegt.


Dann der Showdown: „Wer zieht ein?“ – „Meine Frau, ich und unser Labrador.“

Stille.

„Bitte was? Ein Hund? Das geht gar nicht! Das müssen Sie vorher sagen. Das ist respektlos. Wir sind nicht der Streichelzoo!“

Ein Makler, empört wie ein Opernbesucher bei einem Handyklingeln.


Wenig später – wie durch Zauberhand – die Nachricht: „Sie dürfen ein Mietanbot stellen.“

Ja, sicher. Und ihr dürft euch eine neue Zielgruppe suchen. Vielleicht Leute ohne Hund. Oder ohne Rückgrat.


„Das T-Wohnzimmer mit der Todesfliese“

Es hätte alles so schön sein können. 87 Quadratmeter. Balkon. Hundeauslaufzone in der Nähe. Liesing – der Bezirk, in dem man glaubt, Wien beginnt sich langsam zu entschuldigen. Drei Zimmer, ein Schnäppchen für 1.400 kalt, fünf Jahre befristet – also gerade genug Zeit, um sich einzurichten und dann wieder ausziehen zu dürfen wie bei einer toxischen Beziehung mit Ablaufdatum.


Die Wohnung war… leer. Und das nicht im „offenes Raumkonzept“-Sinn, sondern eher im „fünf Jahre kein menschliches Leben“-Sinn. Küche: unberührt, aber nicht im guten Sinne. Wohnzimmer: T-förmig – ein Grundriss, der sich gegen Möbel wehrt und eher an Sudoku erinnert. Und dann die Schiebetür: dahinter ein Boden, so billig verlegt, dass selbst der Baumarkt geweint hätte. Darunter: der alte Teppich, halb mumifiziert, halb beleidigt, dass man ihn einfach überlaminiert hat.


Das Bad? Flecken, die man nicht googeln möchte. Der Vorraum? Ein Spalt unter der Tür groß genug, dass man sich fragt, ob der Vormieter ein Eichhörnchen war. Der Grundriss? Versprochen. Gekommen? Mit erstaunen - ja Tage später. 


„Der Proletenkasten und der Kontrollfreak“

Zwei Zimmer, 65 Quadratmeter, Balkon, Keller, Preis von unter 1.000 Euro kalt – es hätte unser Happy End sein können. Doch die Märchenwohnung kam mit einem Fluch: dem Vermieter. Kontrollsüchtig, frauenfeindlich, vermutlich mit der Hausordnung unter dem Kopfpolster schlafend. Die Wohnung gehört angeblich seiner Tochter – aber wohnen darf da nur, wer auch seine Angst vor unangekündigten Besuchen teilt.


Der Hund? „Verschweigen Sie den einfach“, sagt der Makler. Na klar. Unser Labrador – 35 Kilo, freundlich, aber nicht transparent. Sollen wir ihn als Teppich tarnen?


Dann das Interieur: ein Möbelstück aus dem Jahre „Oh Gott, warum“, das bleiben muss. Dazu der Wohnzimmerverbau – so hässlich, dass er vermutlich unter Denkmalschutz steht. Entsorgen? Nix da. Kannst selbst auf Willhaben verschenken als nette Geste - man hat ja sonst nix besseres zu tun beim übersiedeln. Renovieren? Auf eigene Kosten. Psychische Gesundheit? Unbezahlbar.



Wohnsinn statt Wohnsitz

Die Wohnungssuche in Wien ist kein Abenteuer – es ist ein Überlebensspiel. Wer nicht früh resigniert, wird spätestens bei der dritten Maklerlüge mürbe. Und doch… sucht man weiter. Weil irgendwo da draußen vielleicht eine Wohnung wartet, die nicht schimmelt, nicht lügt, und den Hund nicht kriminalisiert.


Bis dahin bleiben wir – wohnungslos mit Aussicht.


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